Verborgene Schätze wiederentdeckt

Es sind kleine Naturwunder, die vielerorts längst verschwunden schienen – und doch gibt es sie noch: artenreiche, blütenbunte Mähwiesen. Ein gemeinsames Projekt der Regierung von Oberbayern und des Landratsamts Traunstein zeigt nun, wo diese wertvollen Lebensräume erhalten geblieben sind – und wie sie geschützt werden können.

Seit 2024 wurden in den Gemeinden Waging a. See, Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring, Schleching und Marquartstein rund 90 Hektar Grünland intensiv untersucht. Ziel des Projekts ist es, Zustand und Artenvielfalt der heimischen Wildblumenwiesen zu erfassen. Die ersten Ergebnisse machen deutlich: Die bunten Wiesen sind selten geworden – aber sie existieren noch. Über fünf Hektar der untersuchten Flächen zählen zum wertvollen Lebensraumtyp der sogenannten Mageren Flachlandmähwiesen. Hier wachsen noch typische Wiesenblumen wie Glockenblumen, Margariten, Witwenblumen, Flockenblumen und Hornklee. An besonders nährstoffarmen und sonnigen Standorten konnten sogar Magerrasen nachgewiesen werden – mit spezialisierten Pflanzen wie Echtem Thymian, Wundklee und der Schlüsselblume. Ein echtes Highlight stellt der Salzachdamm zwischen Fridolfing und Tittmoning dar: Auf den trockenen, mageren Böden gedeihen botanische Raritäten wie Kreuz-Enzian, Helm-Knabenkraut und Sonnenröschen. Auch die sogenannten Pfeifengraswiesen zählen zu den Besonderheiten im Landkreis. Vor allem in den Stromtalwiesen bei Schleching entfaltet sich im Juni ein beeindruckendes Naturschauspiel, wenn die selten gewordene Sibirische Schwertlilie ganze Flächen in ein leuchtendes Violett taucht.

Diese wertvollen Lebensräume stehen unter Druck und gilt es zu erhalten. Für die Landwirtschaft sind diese Flächen im Anbau meist weniger ertragreich, spielen jedoch eine wichtige Rolle für die Gewinnung von hochwertigem, kräuterreichem Heu. Vor allem aber sind sie unersetzlich für den Naturhaushalt: Sie bieten Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten und prägen zugleich das Landschaftsbild der Region.

Das Projekt hat neben bestehenden Blühwiesen auch sogenannte Potentialflächen identifiziert. Diese können mit der richtigen Bewirtschaftung wieder zu artenreichen Wiesen entwickelt werden. Um Eigentümer dabei zu unterstützen, informiert das Landratsamt Traunstein über Fördermöglichkeiten im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms. So wird beispielsweise eine extensive Bewirtschaftung mit später Mahd (ab 1. Juni), Düngeverzicht und schonender Mähtechnik mit bis zu 550 Euro pro Hektar gefördert. Bei noch späterem Schnitt oder Handmahd sind sogar bis zu 1.200 Euro pro Hektar möglich. Eine Beratung wird durch die Untere Naturschutzbehörde (E-Mail: vnp@traunstein.bayern) angeboten. Das Fazit des Projekts ist eindeutig: Der Erhalt von blütenreiche Mähwiesen lohnt sich. Für die Natur, für die Landschaft und für kommende Generationen.

 

Wer sich selbst ein Bild von der Schönheit dieser Wiesen machen möchte, hat dazu ebenfalls Gelegenheit. Zwei Exkursionen im Mai zeigen ausgewählte Highlights der Region.

  • 21. Mai, 17:00 Uhr: Blühwiesen bei Tittmoning

  • 29. Mai, 14:00 Uhr: Stromtalwiesen bei Schleching

Der Landschaftspflegeverband Rosenheim bietet diese Führungen im Auftrag der Regierung von Oberbayern an. Bei diesem erhalten Sie weitere Informationen und Details.

 

Bildunterschrift: Sibirische Schwertlilie: Die Sibirische Schwertlilie verwandelt im Frühsommer die nassen Pfeifengraswiesen im Chiemgau in ein leuchtendes Blütenmeer – ein seltenes Naturhighlight dieser besonderen Lebensräume.

Sibirische Schwertlilie: Die Sibirische Schwertlilie verwandelt im Frühsommer die nassen Pfeifengraswiesen im Chiemgau in ein leuchtendes Blütenmeer – ein seltenes Naturhighlight dieser besonderen Lebensräume.