Feuerbrand an Obstgehölzen: Kreisfachberatung gibt Hinweise zum Umgang mit befallenen Bäumen
Im Landkreis Traunstein gehen derzeit vermehrt Meldungen zu absterbenden Blättern, Trieben und Kronenteilen an Obstbäumen ein. Ursache kann Feuerbrand sein, eine bakterielle Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobst und bestimmte Ziergehölze befällt. „Der Feuerbrand ist nach mehreren Jahren mit nur vereinzelten Nachweisen heuer wieder deutlich aktiver. Die Krankheit kann insbesondere junge oder stark wachsende Obstgehölze erheblich schädigen und im Extremfall auch zum Absterben bringen“, sagt Kreisfachberater Markus Breier. Größere Ausbrüche gab es in der Region zuletzt in den Jahren 2008 und 2013. Seither trat Feuerbrand vor allem vereinzelt als Blüteninfektion auf. In diesem Jahr haben die feucht-warmen Witterungsphasen der vergangenen Wochen offenbar vor allem Triebinfektionen begünstigt. Von einem flächigen Ausbruch kann derzeit nicht gesprochen werden, die Krankheit tritt aber wieder deutlich stärker in Erscheinung. Auch aus Nachbarlandkreisen liegen entsprechende Nachweise vor.
Feuerbrand wird durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht. Der Erreger kommt in Bayern flächendeckend vor und kann sich bei warmer Witterung und hoher Luftfeuchte besonders gut ausbreiten. Betroffen sind vor allem Pflanzen aus der Gruppe der Kernobstgewächse. Besonders anfällig sind Quitten, Birnen und Apfelbäume, wobei es deutliche Sortenunterschiede gibt. Auch Weißdorn, Rotdorn, Feuerdorn, Cotoneaster, Vogelbeere, Mehlbeere, Zierquitte, Mispel, Felsenbirne und Glanzmispel können befallen werden. Steinobst wie Kirsche, Zwetschge oder Pflaume wird von Feuerbrand nicht befallen.
Typische Anzeichen sind plötzlich welkende Triebspitzen, die sich häufig hakenförmig nach unten krümmen. Blätter, Blüten oder junge Früchte verfärben sich braun bis schwarz und wirken wie verbrannt. Auffällig ist, dass abgestorbene Blätter oft am Trieb hängen bleiben. Bei feucht-warmer Witterung können an jungen, infizierten Trieben milchig-weißliche bis gelbliche, später bräunliche Schleimtropfen austreten. Diese sogenannten Bakterienschleimtropfen sind ein wichtiger Hinweis auf Feuerbrand. Eine sichere Diagnose ist jedoch nur durch eine fachliche Bewertung beziehungsweise eine Laboruntersuchung möglich, da Verwechslungen etwa mit Trockenstress, Frostschäden, Monilia oder anderen Pflanzenkrankheiten möglich sind.
Bei Verdacht sollten befallene Triebe möglichst rasch und großzügig bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. „Wichtig ist, solche Schnittmaßnahmen nur bei trockener Witterung durchzuführen. Bei Nässe besteht die Gefahr, dass die Bakterien weiterverbreitet werden“, erklärt Breier. Bei starkem Befall kann es notwendig sein, einzelne Bäume oder Sträucher vollständig zu entfernen. Schnittwerkzeuge sollten während und nach der Arbeit sorgfältig desinfiziert werden, zum Beispiel mit 70-prozentigem Alkohol. Befallenes Schnittgut darf nicht gehäckselt, kompostiert oder über Grüngut entsorgt werden. Kleine Mengen sollten in geschlossenen Säcken über die Restmülltonne entsorgt werden. Bei größeren Mengen empfiehlt sich eine vorherige Abstimmung mit der Gemeinde beziehungsweise der Abfallwirtschaft.
In Bayern besteht für Feuerbrand keine gesetzliche Meldepflicht mehr. Dennoch bittet die Kreisfachberatung darum, Verdachtsfälle ernst zu nehmen und bei Unsicherheiten fachlichen Rat einzuholen. Das hilft, die aktuelle Befallssituation besser einzuschätzen und eine weitere Verbreitung möglichst einzudämmen.
Bei Fragen oder Unsicherheiten bei der Bestimmung steht Kreisfachberater Markus Breier per E-Mail an markus.breier@traunstein.bayern oder telefonisch unter 0861 58-385 zur Verfügung.