Projekt „Zukunft Ehrenamt“ – Austausch von Ehrenamtlichen zur Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt

„Ja, wo sind sie denn?“, heißt es oft, wenn über Nachwuchsgewinnung und Mitgliedermotivation in Vereinen gesprochen wird, so Projektberaterin Karola Kellner. Sie moderierte die Projektwerkstatt „Gemeinsam mehr erreichen – wir stärken Ehrenamt“ zu diesen beiden Themen, die von der Freiwilligenagentur des Landkreises organisiert wurde. Kellner berichtete von den Ergebnissen der Umfrage „Zukunft Ehrenamt“, an der mehr als 1.600 Personen teilgenommen hatten. Die Auswertung der Umfrage habe demnach ergeben, dass Ehrenamtliche in der Regel über persönliche Ansprache von Familienangehörigen und Freunden zu ihrer Tätigkeit im Verein kommen. Damit gelte auch hier das Motto: Mit dem Redn kemman de Leit zsamm.

Eine Expertenrunde mit Vertretern aus den Bereichen Sport, Feuerwehr und Rotes Kreuz, Kultur, Nachbarschaftshilfe, kommunales Ehrenamt, Integration und Natur hatte die Rückmeldungen dieser Umfrage analysiert. An oberster Stelle der Herausforderungen, mit denen die Vereine zu kämpfen haben und die sie selbst beeinflussen können, stehe die Gewinnung von Nachwuchs und die Motivation der Mitglieder zur Mitarbeit. Daraus entstand der Auftrag, im Rahmen der Projektwerkstatt ein Austauschtreffen mit Vereinsvertretern anzubieten, um Erfahrungen und positive Lösungsansätze von Verantwortlichen zu sammeln.

Projektwerkstatt mit erfahrenen Ehrenamtlichen

Im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes Traunstein kamen dazu fast 50 Ehrenamtliche aus den Bereichen Kultur, Sport, Umwelt, Feuerwehr, Bergwacht, Rotes Kreuz und Wasserwacht sowie aus Helferkreisen und Nachbarschaftshilfen zusammen. Kellner stellte einige Details zu den Ergebnissen der Umfrage vor. Demnach habe die persönliche Ansprache bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen eine große Wirkung. Fast 50 % der Befragten engagieren sich seit mehr als 20 Jahren, knapp 60 % haben sogar mehr als ein Ehrenamt. Die Freiwilligen beschrieben ihre Motivation für diesen Einsatz mit dem Gefühl, etwas Gutes tun zu können, eine Gemeinschaft in Vereinen zu finden und letztlich die Freude an der Tätigkeit.

In ihrem Fachvortrag betonte die Referentin, dass sich Vereine mit den Erwartungen künftiger Ehrenamtlicher wie Gemeinschaft, Wissensweitergabe und Freude am Engagement befassen müssen. Gleichzeitig sollten sich Vereinsführungen organisatorisch auf neue Mitglieder einstellen, beispielsweise durch die Installation von Mentoren oder Paten. Die Einbindung in die Vereinsstruktur kann schrittweise erfolgen, indem man den neuen Mitgliedern zunächst überschaubare Aufgaben überträgt. Bei der Gewinnung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gilt es zu berücksichtigen, dass diese in der Regel anders denken und andere Ideen haben. Hier ist es notwendig, diese auch zuzulassen und sie mitreden zu lassen. Für einen zukunftsfähigen Verein gilt, dass die Zielgruppe und das Vereinsziel klar definiert sind und die Angebote regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Weiterhin ist es wichtig, die Organisation innerhalb des Vereins anzupassen und eine Strategie für die Nachwuchsgewinnung festzulegen, um verantwortliche Positionen besetzen zu können.In bunt gemischten Arbeitsgruppen erarbeiteten die Teilnehmer Lösungsansätze, um Nachwuchs für Vereine zu gewinnen. Der Fokus lag dabei nicht nur auf Jugendlichen und jungen Menschen, sondern auch auf Erwachsenen und Ruheständlern. Die Ideen umfassten unter anderem vereinsübergreifende Kooperationen, die Präsentation an Orten, an denen sich die jeweilige Zielgruppe aufhält, sowie eine organisierte Begleitung neuer Mitglieder im Verein. Dabei sollte man stets deren Erwartungen an eine Mitgliedschaft im Auge behalten.

Wie geht es weiter?

Am 16. Juni findet die nächste Projektwerkstatt statt, in der weitere wichtige Themen aus der Umfrage „Zukunft Ehrenamt” behandelt werden. Die Teilnahme ist offen. Ehrenamtliche (insbesondere jene mit Führungs- und Leitungspositionen) sind herzlich eingeladen, sich mit ihren positiven Erfahrungen an der Erarbeitung von Praxistipps zu beteiligen. Ziel ist ein nachhaltiger Prozess, der das Ehrenamt langfristig stärkt. Ende 2026 wird die Expertenrunde ein erstes Fazit ziehen, anschließend sind weitere Maßnahmen und Aktionen vorgesehen. Im Mittelpunkt sollen dabei immer die positiven Seiten des Ehrenamts stehen: Gemeinschaft erleben, Sinn stiften und Verantwortung übernehmen – für die Menschen und für die Heimat im Landkreis Traunstein.


Hintergrund zur Freiwilligenagentur

Die Freiwilligenagentur ist seit 15 Jahren die zentrale Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement im Landkreis Traunstein. Seit 2012 wurden über 200 Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen organisiert, an denen mehr als 3.000 Ehrenamtliche teilgenommen haben. Über die Freiwilligenagentur können zudem die Bayerische Ehrenamtskarte (ab fünf Stunden wöchentlichem Engagement oder langjähriger Freiwilligentätigkeit) sowie vielfältige Informations- und Beratungsangebote genutzt werden.

Alle aktuellen Termine und Angebote sind im Veranstaltungskalender des Landratsamts zu finden. Über freiwilligenagentur.traunstein.com steht außerdem eine Ehrenamtsbörse mit Einsatzmöglichkeiten bei Vereinen und Einrichtungen zur Verfügung.

Fotos: Engagierte Teilnehmer aus verschiedenen Vereinen und Organisationen diskutierten und entwickelten gemeinsam Ideen zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher.